Youngtimer und Motorräder
Von Simon Stölben, 30.08.11, 10:38h // Kölner-Stadt-Anzeiger
Motorrad-Liebhaber aus der ganzen Region trafen sich am Kierberger Kaiserbahnhof mit ihren Schmuckstücken – ob hochglanzpolierte Youngtimer oder Relikte aus der Vorkriegszeit – zur 13. Veteranen-Ausfahrt.
Thomas Bürgers Rohrrahmen-Opel ist stolze 84 Jahre alt. (Bild: Stölben)
Brühl-Kierberg - Bei der Kierberger Kirmes präsentierten die Biker ihre Gefährte und konnten sich vor lauter neugierigen Menschen kaum retten. Auch Petrus spielte mit – es blieb sonnig, trocken und mild. Perfekte Bedingungen also für die zwei Etappen, die die Teilnehmer im Laufe des Tages absolvierten.
Für Thomas Bürger ist die alljährliche Ausfahrt ein Pflichttermin. Um den Niederkasseler finden sich regelmäßig die meisten Besucher ein, denn er ist stolzer Besitzer der mit Abstand ältesten Maschine, die am Kaiserbahnhof steht: Eine Opel 1.9 16 PS aus dem Jahre 1927 – mit drei Gängen, Schwertschaltung und diversen anderen Originalteilen. „Sie tut es noch einwandfrei, nur die Bremsen sind nicht die besten. Damit kann man nicht einfach um die Ecke peitschen“, erklärte er.
Opel-Motorräder sind eine absolute Seltenheit, denn schon nach der Übernahme durch General Motors in den dreißiger Jahren wurde deren Produktion gestoppt. „Ich möchte einfach ein ausgefallenes Hobby haben. Diese seltenen Fahrzeuge zu sammeln und möglichst im unrestaurierten Originalzustand zu belassen, statt sie mit Polieren und tunen unkenntlich zu machen, macht unglaublich viel Spaß und ist meine Leidenschaft“, erzählt Bürger. Bei ihm zu Hause steht sogar noch eine Opel-Maschine aus dem Jahr 1921. „Aber das ist vom Entwicklungsstand fast noch ein Fahrrad“, sagt er und schmunzelt.
Auch am „Kleinen Max“ von NSU aus dem Jahr 1956 halten viele Leute inne. Der makellose schwarze Lack glänzt in der Vormittagssonne. „Das Teil wird wahrscheinlich nur poliert und steht sonst in der Garage“ – für solche Kommentare hat der Besitzer Franz-Josef Dyx wenig übrig. „Diese Behauptung ist Quatsch. Ich möchte auch Spaß mit der Maschine haben, und ich liebe es, mit ihr rauszufahren – auch wenn ich diesen Sommer damit mehrmals im Regen gelandet bin“, sagte er.
Auch für NSU war mit den Motorrädern früh Schluss – nämlich 1969. „Man hatte vor allem Angst vor den japanischen Konkurrenten und hat die technische Entwicklung ein wenig verschlafen“, erklärte Dyx. Auch der Brühler Bürgermeister Michael Kreuzberg schaute beim Schaulaufen der Pferdestärken vorbei: „Ich habe zwar auch ein Motorrad, aber das steht fast nur in der Garage. Für Ausfahrten bleibt leider nicht die Zeit“, gestand Kreuzberg. Aber so etwas könne auch Vorteile haben: „Vielleicht wird auf diesem Wegs aus der Maschine in ein paar Jahren auch ein Oldtimer“, scherzte der Erste Bürger der Stadt Brühl.